Peer-Mentoring zwischen Führungskräften des öffentlichen Sektors
Im Fokus ihrer Untersuchung stehen bislang oft vernachlässigte, aber entscheidende Fähigkeiten: Selbstwahrnehmung, Charaktereigenschaften und persönliche Motive, sogenannte "unsichtbare Kompetenzdimensionen". Gerade in Digitalisierungsprozessen sind diese entscheidend für wirksames Führungshandeln.
"Führung wird in der Verwaltung noch zu oft an sichtbaren Kriterien wie Hierarchie oder Fachwissen festgemacht. Für eine erfolgreiche digitale Transformation braucht es aber die Bereitschaft zur Selbstreflexion, zur Zusammenarbeit und zur aktiven Gestaltung von Veränderung", heißt es in der Studie.
Lernen auf Augenhöhe
Im Gegensatz zum hierarchisch geprägten 1:1-Tandem-Mentoring zwischen Mentor:innen (oft in einer Führungsposition) und Mentees (Berufseinsteiger:innen) setzt das Peer-Group Mentoring auf den moderierten Austausch unter gleichrangigen Führungskräften. In kleinen Gruppen reflektieren sie ihre Erfahrungen, hinterfragen Rollenbilder und entwickeln gemeinsam neue Perspektiven. Dieses Lernformat auf Augenhöhe fördert nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern auch die organisationsübergreifende Vernetzung.
Das 4-Stufen-Modell der Studie
Aus Interviews mit 15 Führungskräften aus Bundes- und Landesbehörden sowie zwei Expert:innen für Public Leadership entstand ein praxisnahes Modell für Peer-Group Mentoring im öffentlichen Sektor. Es umfasst vier Bausteine für Mentoringprogramme speziell zur digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung:
Seminar – Wissensgrundlagen und Führungsverständnis
Simulation – Rollenspiele und Praxistraining im geschützten Raum
Forum – Moderierter Erfahrungsaustausch mit Fokus auf Selbstreflexion
Anwendung – Transfer in den Führungsalltag und kontinuierliches Lernen
Peer-Group Mentoring im öffentlichen Sektor verankern
Die Studie empfiehlt, Peer-Group Mentoring als festen Bestandteil der Führungskräfteentwicklung im öffentlichen Sektor zu etablieren. Besonders für Nachwuchsführungskräfte kann das Format zur Stärkung eines neuen Führungsverständnisses beitragen. Sie stehen häufig am Beginn komplexer Führungsrollen, bewegen sich in Hierarchien und müssen zugleich offen für Wandel sein, so die Autor:innen. Das vorgestellte 4-Stufen-Modell versteht sich als Blaupause für eine neue Führungskultur: weg von rein fachlicher Steuerung, hin zu mehr Reflexion, Empathie und Veränderungsbereitschaft. Also zu einer Führung, die den digitalen Wandel in Verwaltungen aktiv mitgestaltet.